INTERTAPES is an updating collection of
found cassette tapes from around the world.
The audio fragments include: voice memos,
field recordings, mixtapes, bootlegs and more.

From the Courtroom

Aus dem Gerichtssaal

Berlin, Germany
Aus dem Gerichtssaal front Aus dem Gerichtssaal back

This cassette was found in a thrift shop in Berlin on January 6th, 2017 and was purchased for 1€. There are no additional labels or inscriptions on it other than the BASF factory stickers. The cassette jammed during the first playback attempt. The restored part of the tape contains a recording of a man's voice commenting on a court decision in East Germany following an incident that occurred in 1989.

Diese Kassette wurde am 6. Januar 2016 in einem Berliner Trödelladen gefunden und für 1€ gekauft. Sie enthält keine weiteren Aufkleber oder Beschriftungen außer dem BASF-Werksaufkleber. Die Kassette hat sich beim ersten Abspielversuch verklemmt. Der restaurierte Teil der Kassette enthält eine Aufnahme einer Männerstimme, die ein Gerichtsurteil in DDR nach einem Vorfall aus dem Jahr 1989 kommentiert.

Transcription sent by inthestu

[Federal prosecutor] (eh.. uh) Endangering traffic safety through drunkenness, breach of duty after a traffic accident, and feigning a crime, to be sentenced to three years' imprisonment, a four-year driving ban, and to be ordered to pay damages to the state insurance company and social security.

[Radio host 1] Since the defendant caused the accident while under the influence of alcohol, these two institutions will reclaim every penny of the considerable sums they have paid out from him. Even the defense attorney cannot help but admit his client's serious guilt. There is no question that he could get off with a slap on the wrist and no prison sentence. Nevertheless, the lawyer sees reasons for a more lenient sentence and judgment.

[Lawyer] We must proceed with certainty based on the consequences of this traffic accident, especially for the injured party, who vividly described to us that there may be lasting damage to her life (uh) that cannot be repaired. There is no question that something very bad has happened here, but we are not dealing with a generally negative personality. We are not dealing with a person who otherwise lets himself go and is unable to maintain social discipline. His defense team argues that the incident on December 21, 1983, was a one-time occurrence completely out of character for the defendant. No comparison is possible here. This is a one-time failure by a person who has never done anything like this before, and based on this consideration, I believe that the sentence requested is significantly too harsh.

[Moderator 1/radio host 1] One year and ten months would be a sufficient punishment, the defense attorney summarizes his arguments. However, the court does not agree. The fact that the defendant has led an orderly life up to now, that he has worked hard and lived inconspicuously, cannot be taken into account in view of such a serious offense, which, as we have been able to ascertain, was neither fateful nor merely accidental. The criminal division's verdict is accordingly severe. Three years' imprisonment, followed by a further four years without a driver's license, as requested by the prosecutor.

[Moderator 2/radio host 2] This was not just a case from the practice of socialist justice. Doctor Udo Krause reported from the courtroom. The Rundfunk Tanzorchesta Leipzig is now playing on “Unterhaltung am Vormittag” (Morning Entertainment).

Transkript gesendet von inthestu

[Staatsanwältin] (eh..äh) Verkehrsgefährdung durch Trunkenheit, pflichtwidrigem Verhalten nach einem Verkehrsunfall und Vortäuschung einer Straftat, zu Verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, einem Fahrerlaubnisentzug für die Dauer von vier Jahren festzulegen und den Angeklagten im Grunde nach zum Schadenersatz an die staatliche Versicherung und die Sozialversicherung zu verurteilen.

[Moderator 1] Da der Angeklagte den Unfall unter hochgradigem Alkoholeinfluss verursacht hat, werden diese beiden Institutionen die von ihnen verauslagten erheblichen Beträge auf Heller und Pfennig von ihm zurückfordern. Auch der Verteidiger kann nicht umhin die schwere Schuld seines Mandanten einzuräumen. Kein Gedanke daran, dass der hier etwa mit einem blauen Auge einer Strafe ohne Freiheitsentzug davon kommen könnte. Dennoch sieht der Anwalt Gründe für eine mildere Be- und Verurteilung.

[Anwalt] Wir müssen (äh) sicher ausgehen von den Folgen die dieser Verkehrsunfall gehabt hat, für die Geschädigte insbesondere, die uns sehr bildhaft darstellte, dass hier möglicherweise Schädigungen für das Leben zurückbleiben (äh) die nicht wieder gutzumachen sind. Es ist keine Frage(äh), dass hier etwas sehr schlimmes passiert ist, aber hier steht nicht eine im Allgemeinen, und auch ansonsten, negative Persönlichkeit vor uns. Hier steht nicht ein Mensch vor uns der sich auch ansonsten gehen lässt und keine Gesellschaftliche Disziplin wahren kann. Sein Kollektiv führt aus, dass dieses Ereignis am 21. Dezember 1983 ein einmaliges und völlig Persönlichkeitsfremdes Ereignis für den Angeklagten ist. Hier ist kein Vergleich möglich. Das ist das einmalige Versagen eines Menschen, dass vorher seines Gleichen sucht und unter diesen.. unter dieser Überlegung bin ich der Meinung, dass der Strafantrag bedeutend zu streng ausgefallen ist.

[Moderator 1] Ein Jahr und zehn Monate währen eine ausreichende Strafe, so fasst der Verteidiger seine Argumente zusammen. Das Gericht vermag sich ihnen aber nicht anzuschließen. Dass das dasein des Angeklagten bisher in geordneten Bahnen verlief, dass er ordentlich gearbeitet und unauffällig gelebt hat, kann nicht zählen, angesichts einer so schweren und - wie wir uns überzeugen konnten - weder schicksalhaften, noch bloß zufälligen Entgleisung. Das Urteil der Strafkammer fällt dem gemäß streng aus. Drei Jahre Freiheitsentzug, daran anschließend weitere vier Jahre ohne Führerschein, wie von der Staatsanwältin beantragt.

[Moderator 2/radio host 2] Das war nicht nur eine Akte aus der Praxis der sozialistischen Rechtspflege. Aus dem Gerichtssaal berichtete Doktor Udo Krause. In der "Unterhaltung am Vormittag" spielt jetzt das Rundfunk Tanzorchesta Leipzig.